Chronik

Seit 1673

Mehr als dreihundert Jahre Schützentradition in Bühne, vom ersten Eintrag im Kirchenbuch bis zum Vogelschießen an der Alsterhalle.

Meilensteine

1673

Die ersten Spuren im Kirchenbuch

Im Kirchenbuch nennt der Bühner Pastor Hembstedt einen „Schützenkamp" und einen „Schützenhang". Die Flurnamen deuten darauf hin, dass es damals bereits Schützen im Ort gab. Ein urkundlicher Nachweis der Bruderschaft ist das noch nicht, den liefern erst die Statuten von 1819.

1806

Verbot unter französischer Herrschaft

Unter französischer Fremdherrschaft werden bis 1813 alle Schützenvereine verboten, auch der Bühner. Ein Bericht von 1810 hält fest, was aus dem Vermögen wurde: Der silberne Vogel war verkauft, die Fahne der Kirche geschenkt, das Schützenland verpachtet. Die Trommel sollte in der Gemeinde bleiben, um bei Feuersgefahr warnen zu können.

1819

Die ersten Statuten

Am 2. Juli 1819 genehmigt das königlich-preußische Kantonsamt die ersten Statuten aus dem Schützenbuch Bühne. 40 Bühner Männer unterschreiben das Gründungsstatut. Damit ist die Bruderschaft erstmals urkundlich nachgewiesen.

1910

Die überlieferte Königsreihe beginnt

Mit Josef und Gertrud Grone setzt die Reihe der namentlich überlieferten Königspaare ein. Das älteste erhaltene Foto eines Bühner Königspaares stammt von 1912.

1912

Fahnenweihe und die ersten Holzgewehre

Am 11. Juni wird eine neue Schützenfahne in der Kirche geweiht. Im selben Jahr beschließt die Versammlung, die Kompanie mit hundert Holzgewehren und einheitlichen Mützen auszustatten. Jedes Gewehr bekommt eine Nummer und bleibt Eigentum des Vereins.

1930er

Verbot im Dritten Reich

Die Schützenvereine werden verboten, die Vereinsaktivität ruht. Erst nach dem Krieg lebt das Schützenwesen in Bühne wieder auf.

1948

Neue Satzung und Anschluss an den Bund

Eine neue Satzung wird erlassen und das Schützenwesen neu ins Leben gerufen. Im selben Zug schließt sich der Verein dem Verband der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften in Köln an.

1954

Das Ehrenmal an der Kirche

Das Kriegerehrenmal am heutigen Standort wird fertiggestellt. Ein erstes Denkmal, für das der Verein 1919 einen Zuschuss gegeben hatte, stand an der Ecke Dorfstraße und Schere und war zuvor abgerissen worden.

1972

Die Schützenhalle

Nach Jahrzehnten in Zelt und Festscheune wird die Schützenhalle eingeweiht. Über einen Hallenbau war im Verein seit 1927 diskutiert worden. Möglich wurde er, als sich die Ortsvereine zu einem Hallenbauförderverein zusammenschlossen und die Gemeinde das Vorhaben mittrug.

1975

Die Uniformen

Die Versammlung beschließt nach lebhafter Diskussion die Anschaffung von Uniformen. 31 Mitglieder erklären sich sofort bereit, eine zu kaufen.

1980

Vogelschießen an der Alsterhalle

Das Vogelschießen wird neu ins Leben gerufen, jetzt auf dem Stand an der Alsterhalle. Es knüpft an eine jahrzehntelange Tradition an: Früher stand der Vogelschießstand im Wald am Zollberg, unweit der Muddenhagener Straße.

1987

Der erste Prinz

Erstmals schießen die Jungschützen einen Prinzen aus. Er ist wie der regierende König berechtigt, an Bezirks-, Königs- und Prinzenschießen teilzunehmen.

Bildarchiv

Historische Aufnahmen

Bilder aus über hundert Jahren Vereinsleben, viele davon aus dem Heimatbuch. Wer weitere Aufnahmen hat, gerne melden.

1922 – Erinnerungsfoto an das Schützenfest mit dem Königspaar Lunkenbein/Weber.
1922 – Erinnerungsfoto an das Schützenfest mit dem Königspaar Lunkenbein/Weber.
1928 – Königspaar Becker/Fricke mit Hofstaat.
1928 – Königspaar Becker/Fricke mit Hofstaat.
1949 – Schützenfest.
1949 – Schützenfest.
1951 – Festwagen mit Damen des Hofstaates. Im Hintergrund das ehemalige Wohnhaus von Fritz Hoffmann.
1951 – Festwagen mit Damen des Hofstaates. Im Hintergrund das ehemalige Wohnhaus von Fritz Hoffmann.
1951 – Festzug mit Oberst Wilhelm Dee und Adjutant Franz Fricke zu Pferde.
1951 – Festzug mit Oberst Wilhelm Dee und Adjutant Franz Fricke zu Pferde.
1953 – Königskutsche Gelhaus/Hetzler.
1953 – Königskutsche Gelhaus/Hetzler.
1953 – Königspaar Wilhelm Gelhaus und Anna Hetzler mit Hofstaat.
1953 – Königspaar Wilhelm Gelhaus und Anna Hetzler mit Hofstaat.
1959 – Am Königstisch.
1959 – Am Königstisch.
1965 – Königspaar Heise/Dewender.
1965 – Königspaar Heise/Dewender.
1970 – Traditionelle Gefallenenehrung mit Fahnenweihe.
1970 – Traditionelle Gefallenenehrung mit Fahnenweihe.
1970 – Erinnerungsfoto beim Königinnentreffen.
1970 – Erinnerungsfoto beim Königinnentreffen.
1990 – Offiziere der Schützenbruderschaft St. Vitus Bühne.
1990 – Offiziere der Schützenbruderschaft St. Vitus Bühne.
1990 – Vorstand der Schützenbruderschaft St. Vitus Bühne.
1990 – Vorstand der Schützenbruderschaft St. Vitus Bühne.

Die Bruderschaft St. Vitus

Die Anfänge

Wie lange in Bühne geschossen wird, lässt sich nicht genau sagen. Der erste schriftliche Hinweis stammt aus dem Jahr 1673: Pastor Hembstedt nennt im Kirchenbuch einen „Schützenkamp" und einen „Schützenhang", zwei Flurstücke also, die nach den Schützen benannt waren. Ein Schützenverein muss zu dieser Zeit längst bestanden haben.

Unter französischer Fremdherrschaft wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts alle Schützenvereine verboten, auch der Bühner. Was aus dem Vermögen wurde, hielt der Bürgermeister des Kantons Rösebeck im Januar 1810 fest. Die rund sieben Morgen Land des Schützenkamps waren verpachtet, das Pachtgeld floss künftig in die Gemeindekasse. Der silberne Vogel war bereits verkauft und der Erlös zum Namenstag des Königs, wie es im Bericht heißt, „mit Vergnügen verzehrt" worden. Die Fahne hatten die Schützen der Kirche geschenkt. Blieb eine Trommel im Wert von vier Reichstalern, und die, so der Wunsch der Gemeinde, möge im Ort bleiben, um bei Feuersgefahr warnen zu können.

Der Neubeginn 1819

Nach dem Ende der französischen Herrschaft entstanden die Schützenvereine neu, in Bühne im Jahr 1819. Die Statuten aus dem Bühner Schützenbuch wurden am 2. Juli 1819 vom Königlich Preußischen Cantonsamte genehmigt und sämtlichen Schützen der Gemeinde zur Beachtung empfohlen. Vierzig Bühner Männer haben sie unterschrieben. Der zuständige Cantonsbeamte Pfannenschmidt stellte ihnen einen Sinnspruch voran: „Freude, Einigkeit, Ruhm und Ehre dem treuen Bunde bis zur Asche."

Wer beitreten wollte, zahlte zwei Reichstaler und fünf Silbergroschen. Aufgenommen wurden Christen wie Juden. Wer von auswärts zuzog, musste ein Attest über sein Wohlverhalten vorlegen, ein Führungszeugnis also. Auch der Austritt war nicht beliebig möglich: Wer gehen wollte, musste seine Gründe nennen und den Beschluss der Versammlung abwarten. Neuen Mitgliedern wurden die Statuten vorgelesen und erklärt, danach unterschrieben sie eigenhändig.

Wie früher geschossen und gefeiert wurde

Geschossen wurde auf die Scheibe, mit Vorderladern und scharfer Munition. Entsprechend streng waren die Sicherheitsregeln. Der Schützendechant, der spätere Oberst, bestimmte den Gildemeister und vier geübte Schützen zur Aufsicht. Die achteten unter anderem darauf, dass niemand sein Gewehr mit zu viel Schwarzpulver überlud. Wer eine verrostete Waffe mitbrachte, wurde bestraft. Auf dem Schießstand galten striktes Alkohol- und Rauchverbot, ein Verstoß kostete einen Reichstaler.

Man traf sich zu Pfingsten im Haus des Dechanten und zog von dort geschlossen unter Trommelschlag zum Schießstand, die Scheibe wurde der Kompanie vorangetragen. Drei Schuss hatte jeder für die Königswürde. Der beste Schütze erhielt das Kleinod des Vereins, einen Adler an einer Silberkette, dazu einen Hut mit silberner oder goldener Tresse.

Anschließend wurde auf den großen Deelen der Höfe gefeiert, wo der Siedener das Bier zapfte. Auch dafür gab es Regeln, und sie zeigen, wie ernst man die Sache nahm: Wer mehr Bier verschüttete, als eine Handfläche bedeckt, zahlte vier Silbergroschen Strafe. Denselben Betrag zahlte, wer zu freigebig Fremde mittrinken ließ. An den Vorabenden der großen Kirchenfeste blieb es still, Tanzlustbarkeiten waren dann untersagt. Wer sich ehrenrührig verhielt und dafür bestraft wurde, verlor die Mitgliedschaft und wurde nicht wieder aufgenommen.

Vom Zelt zur Schützenhalle

Das Schützenfest wurde jedes Jahr gefeiert, bis 1879 an wechselnden Orten im Dorf. In jenem Jahr stand erstmals ein Zelt, und das war eine kostspielige Sache: 213,78 Mark kostete es, bei Gesamtausgaben des Vereins von 392,73 Mark im selben Jahr. Um die Jahrhundertwende wechselte man sich mit dem Gesang- und dem Kriegerverein ab, und die Zeltkosten trug fortan der Festwirt.

Nach dem Ersten Weltkrieg feierte man in einer Scheune im Burgkamp. Als diese 1932 abgebrochen und an der Muddenhagener Straße wieder aufgebaut wurde, gestatteten die neuen Eigentümer, dass die Heimatfeste dort weitergingen, bis 1972. Bequem war das nicht: Die Scheune diente der Landwirtschaft, vor jedem Fest musste sie hergerichtet und ein Fußboden verlegt werden. Über viele Jahre überwachte Schützenbruder Hermann Konze diese Arbeit.

Über einen eigenen Hallenbau wurde schon 1927, 1930 und 1932 diskutiert, ohne dass man sich einig wurde. Auch ein 1962 gewählter Ausschuss kam nicht weiter, die Aufgabe war für einen Verein allein zu groß. Gelungen ist sie erst gemeinsam: Die Ortsvereine gründeten einen Hallenbauförderverein und nahmen das Vorhaben zusammen mit der Gemeinde in Angriff. 1972 wurde die Halle eingeweiht.

Fahne, Gewehre und Uniformen

Eine Fahne besaß der Verein vermutlich seit seiner Gründung. Jene, die 1810 der Kirche geschenkt worden war, ließ man 1848 für 18 Reichstaler aufarbeiten. 1870 kam eine neue für 68 Reichstaler dazu, die Seide der alten wurde für 20 Silbergroschen verkauft. Die Fahne, die am 11. Juni 1912 in der Kirche geweiht wurde, blieb dem Verein erhalten. 1970 stifteten die Gebrüder Dewender eine weitere.

Ebenfalls 1912 beschloss die Versammlung, die Kompanie einheitlich auszustatten. Schreinermeister Josef Becker und Karl Reinhard lieferten je fünfzig Holzgewehre zum Stückpreis von 1,40 Mark. Jedes bekam eine Nummer und wurde einem Schützen zur pfleglichen Behandlung übergeben, Eigentum des Vereins blieben sie alle. Dazu kamen Mützen für 1,50 Mark. Uniformen gibt es erst seit 1975, damals erklärten sich nach lebhafter Diskussion 31 Mitglieder sofort bereit, eine zu kaufen.

Königsschießen und Schießsport

Bis 1910 wurde der König auf die Scheibe ausgeschossen, dann errichtete der Verein einen Vogelschießstand im Wald „am Zollberg" unweit der Muddenhagener Straße. Ende der 1920er Jahre zog die Vogelstange in den Pottenwald am alten Sportplatz um, dort blieb sie bis zum Zweiten Weltkrieg. 1939 entstand gemeinsam mit dem Kriegerverein und den Muddenhagener Schützen ein Scheibenschießstand in der Schneise an der Muddenhagener Straße.

Nach dem Krieg wurde der König auf Scheiben in der Schützenscheune ermittelt. Die alte Tradition kehrte 1979 zurück: Ein neuer Vogelschießstand in der Nähe der Alsterhalle wurde am 3. Mai 1980 mit einem Probeschießen eingeweiht. Das Sportschießen lebte in den Jahren 1976 und 1987 wieder auf, der Kyffhäuser-Verein stellt dafür seinen Schießstand zur Verfügung. Jugendliche können ab dem 15. Lebensjahr mitschießen. Die Jungschützen ermitteln seit 1987 auch einen eigenen Prinzen, der wie der König an Bezirks-, Königs- und Prinzenschießen teilnehmen darf.

Der Festumzug war und ist der Mittelpunkt des Schützenfestes. Vom Ersten Weltkrieg bis in die 1960er Jahre fuhren König und Königin in der Kutsche, Oberst und Adjutant befehligten die Kompanie vom Pferd aus. Die Gefallenenehrung am Vorabend, der Frühschoppen und der Frauenkaffee am Montag halten sich ebenso lange.

Das Ehrenmal

Für ein erstes Kriegerdenkmal stellte der Verein 1919 einen Zuschuss von 300 Mark bereit. Es entstand an der Straßenecke Dorfstraße und Schere, wo heute der Parkplatz liegt. Nachdem es abgerissen worden war, beriet 1951 eine Kommission über einen Neubau. Die Platten mit den Namen der Gefallenen des Ersten Weltkriegs kamen in den Turmeingang der Kirche. Das Ehrenmal an seinem heutigen Standort an der Kirche wurde 1954 fertiggestellt.

Die Bruderschaft heute

Im Dritten Reich wurden die Schützenvereine verboten, das Vereinsleben ruhte. 1948 wurde eine neue Satzung erlassen und das Schützenwesen neu ins Leben gerufen. An die Stelle des Vereinsführers trat der Brudermeister, und der Verein schloss sich dem Verband der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften in Köln an, der mehrere hundert Vereine und Bruderschaften vertritt. Weil die Aufgaben als gemeinnützig anerkannt sind, wurde 1977 noch einmal eine neue Satzung beschlossen.

Was den Verein trägt, hat sich seit den ersten Statuten kaum verändert: die Pflege des Brauchtums, der Zusammenhalt in der Gemeinschaft, die Teilnahme an kirchlichen Festen und Prozessionen und das sportliche Schießen. Die Ideale von Glaube, Sitte und Heimat stehen über der Bruderschaft. Personen und Strukturen haben sich im Lauf der Jahrzehnte verändert, die Ziele nicht.

Die Bruderschaft zählt rund 300 Mitglieder, die überwiegend auch aktiv am Vereinsleben teilnehmen. Im Dorf übernimmt sie Patenschaften für Pflegegrundstücke, sie hat ein zerstörtes Holzkreuz an der Muddenhagener Straße neu errichtet und kümmert sich maßgebend um die Alsterhalle.

An der Spitze stehen der 1. Vorsitzende und Brudermeister sowie der Oberst. Beide repräsentieren den geschäftsführenden und den Offiziersvorstand. Der geschäftsführende Vorstand vertritt den Verein nach außen, handelt für die Bruderschaft im rechtsgeschäftlichen Verkehr und ist beim Amtsgericht im Vereinsregister eingetragen. Präses der Bruderschaft ist der jeweilige Geistliche der Pfarrgemeinde.